Ich heiße Agnes, bin heute 33 Jahre alt und lebe mit meinem siebenjährigen Sohn in Wien. Wenn du mich vor einigen Jahren gefragt hättest, wie ich mein Leben sehe, hätte ich wahrscheinlich geantwortet: „Chaotisch, aber ich halte es irgendwie zusammen.“ Heute weiß ich, dass ich nichts zusammengehalten habe – es hat mich zerfetzt. Und aus diesen Fetzen habe ich etwas Neues gemacht.
Der Anfang
Es begann mit einer E-Mail. Oder vielleicht mit fünfzig. Mein Job als Pharmareferentinin war ein endloser Strudel aus Deadlines, Monats-Zielen und absurdem Termindruck. Mein Chef war immer unzufrieden. Ich war am Ende.
Eines Morgens, auf dem Weg ins Büro, spürte ich plötzlich, wie mein Brustkorb sich zusammenzog. Mein Herz raste, meine Hände wurden taub. Ich schnappte nach Luft – und dann war da nichts mehr.
Das nächste, woran ich mich erinnere war das AKH Wien. Ich war Depressiv und hatte einen Burnout. Ich sollte mir „eine Pause gönnen“. Aber wer passt in dieser Zeit auf meinen Sohn auf? Wer zahlt die Miete?
Die Entscheidung
Ich bekam Krankengeld, aber es war nicht genug. Der Gedanke, zum AMS zu gehen, schnürte mir den Magen zu. Ich scrollte durch Instagram, während mein Sohn schlief, und stieß auf das Profil einer ehemaligen Schulfreundin. Designerhandtaschen, Urlaubsbilder – früher war sie genauso pleite wie ich.
„Was machst du jetzt beruflich?“, schrieb ich ihr.
„Ich date erfolgreiche Männer
“, kam die Antwort.
Zweifel
Sugarbabe. Davon hielt ich noch nie was. Junge, hübsche Dinger mit perfekten Instagram-Feeds. Aber ich? Alleinerziehend, mit dunklen Ringen unter den Augen?
Aber ich hatte Fragen. Ich wollte wissen, wie es funktioniert. Und meine Freundin war bereit zu reden.
„Es geht um Bettgeschichten, aber auch Begleitung, um Honig ums Maul schmieren. Männer, die das suchen, wollen oft einfach eine Frau, die ihnen zuhört, die ihnen das Gefühl gibt, wieder jung zu sein. Und ja, sie sind bereit, dafür zu bezahlen.“
Das erste mal
Ich trug mein schlichtestes Kleid – elegant, aber nicht zu auffällig. Mein Gegenüber war Mitte fünfzig, ein Geschäftsmann aus München. Er war höflich, zuvorkommend – und ja, er zahlte mein Abendessen. Alles ging sehr schnell. Ich landete in seinem Bett. Danach steckte er mir 200 Euro in die Hand.
„Für deine Zeit“, sagte er.
Zweihundert Euro für ein Abendessen und eine Stunde Intimität. Zweihundert Euro, die ich sonst nicht hätte.
Der Wandel
Es blieb nicht bei einem Mal. Wir traffen uns nun regelmäßig und hatten eine "Beziehung". Ich lernte, wie man sich präsentiert. Ich legte Regeln fest. Kein Sex an Tagen wenn ich es nicht will. Keine emotionale Abhängigkeit. Ich bin eine Dienstleisterin – charmant, intelligent, professionell.
Wer bin ich jetzt?
Ich weiß, was du denkst. Habe ich mich verkauft? Vielleicht. Aber ich habe mich auch befreit. Jetzt Jahre später bin ich nicht mehr die gehetzte, überarbeitete Frau, die jeden Morgen gegen einen weiteren Tag ankämpft. Ich bin selbstbestimmt.
Ich habe Zeit für meinen Sohn. Ich kann ihn morgens zur Schule bringen, ihm beim Hausaufgabenmachen helfen. Ich bin wieder eine Mutter.
Und vielleicht ist das das Wertvollste, was ich mir je erkauft habe.